Sammler-Objekte: Puppen

In Peru gibt es ca. 2000 verschiedene Trachten: Manche sind Alltagskleidungen, andere werden nur bei bestimmten Anlässen getragen und manche sind für traditionelle Tänze bestimmt. Unter dem Einfluss der "modernen Welt" verschwindet auch dieses kulturelle Erbe immer mehr. Schon heute sind viele der Trachten nur noch an abgelegenen Orten, weit oben in den Anden, zu finden.
Alle heute noch benutzten und hier gezeigten Kleidungen wurden vor langer Zeit durch den Einfluss der spanischen Eroberer geprägt; sie sind nicht mehr aus der Inka - Zeit. Dazu trugen die Frauen und Männer früher Sandalen aus Lama-Leder, heute werden weitgehend Sandalen aus alten Autoreifen benutzt.
Bei der vergeblichen Suche nach Puppen mit typischer Kleidung entstand die Idee, innerhalb des Projektes selbst Puppen herzustellen und einzukleiden, denn es gab nur einfache Figuren mit filzstiftgemalten Strumpfgesichtern und geklebten Kleidern oder blonde Platik-Puppen. Am Stadtrand von Arequipa leben Campesinos, die die Herstellung der traditioneller Kleidung ihrer ehemaligen Heimat-Orte noch beherrschen. Andere Modelle wurden mühselig zusammengetragen. Die Zusammenarbeit vieler einzelner Arbeiter/-innen sowie viel Mühe, Geduld und Können machten es am Ende möglich, dass diese freundlichen Puppen entstehen konnten.
Nur, wer selbst einmal versucht hat, den Kopf einer Puppe herzustellen, weiß, wie schwierig das ist. Wie schwierig das aber für Menschen ist, die keinen trockenen, hellen Arbeitsraum, kaum Werkzeug, kein Geld für verschiedene Materialien, vielleicht nicht einmal einen festen Tisch zum Arbeiten haben, kann sich in Mitteleuropa kaum jemand vorstellen. Alle Teile, die zu einer Puppe gehören, entstehen oft unter provisorischen Bedingungen in Handarbeit von fleißigen Menschen, die aber auf Grund ihrer Ausbildung und ihrer Lebensumstände keine Vorstellung von überzogener deutscher Präzision haben können.
Köpfe und Gliedmaßen für die Puppen stellt ein Keramiker her, der schon lange Mitglied des Projektes ist. Seine Frau hat sechs Kinder geboren, die drei ältestenstudieren jetzt an der Universität. Die Einschreibgebühren usw. konnte die Familie nur durch Aufträge für das Projekt finanzieren.
Mehrere (oft alleinstehende) Mütter nähen, sticken, weben oder stricken. Alle leben mit ihren Kindern in sogenannten "pueblos jovenes" nahe der Stadt Arequipa, armen Vororten, die noch immer keine Wasserversorgung haben. Einige Nähmaschinen konnten zur Verfügung gestellt werden.
Die kleinen Reifen-Schuhe werden von einem jungen Familienvater mit inzwischen 4 kleinen Kindern angefertigt. Die Perücken knüpft eine junge arbeitslose Friseuse, aber das Material dazu muss aus der Hauptstadt Lima, die über 1000 km entfernt ist, geholt werden.



San Pedro

An den einzelnen Kleidungen erkennt man, woher die Träger/-innen kommen. Diese wird von Frauen des Dorfes San Pedro (bei Cuzco) im Alltag ebenso benutzt wie zu Festen.

Aus dem Dorf Ocongate (auch in der Nähe von Cuzco) kommt diese Kleidung, normalerweise gehören dazu 8 Unterröcke, die stufenförmig unter dem Rock herausschauen.

Huancarani

Diese Puppe trägt die Alltagskleidung des Dorfes Huancarani (bei Cuzco)

Diese kommt ebenfalls aus der Umgebung von Cuzco, aus dem Dorf Pitumarca.

Pitumarca
Sicuani Canchis

Männer aus der Provinz Sicuani/Canchis tragen einen bunten Poncho. Zu den traditionellen Tänzen ("canchis") benutzen sie auch einen symbolischen Stab (Gehstock) und runde Hüte, ebensolche wie die Frauen.

Außerhalb der größeren Orte tragen Frauen, die Lamas und Alpakas hüten, diese bunt bestickte Kleidung aus einfachen selbstgewebtenm Wollstoff (bayeta).

bayeta
Cotabambas

Im Dorf Cotabambas im Department Apurimac tragen verheiratete Männer und Frauen jeweils beide einen schwarzen Hut mit rotem Band oder beide einen hellen Hut mit rotem Band.

Die Kleidung der Männer in den Anden besteht gewöhnlich aus halblangen Hosen und verschiedenfarbigen Ponchos. Dorfbewohner benutzen ehrer braune oder rote Ponchos, Männer von außerhalb der Dörfer oft gestreifte. Jeder Ort hat seine eigenen traditionellen Webmuster. Auch die Wollmützen (chullos) sind verschiedener Art: z. B. haben die Mützen aus Cuzco mehr Troddeln als diejenigen aus Puno oder Moquegua.

Männer aus den Anden Männer aus den Anden
Pandilleros

Diese Puppen zeigen eine der bekanntesten Tanzkleidungen aus Puno ("Pandilleros").

Diese Alltagskleidung wird von den Frauen des Dorfes Capachica (bei Puno) getragen.

Capachica
Cullahuada

Die Alpaka-Hirtenfrauen von Puno benutzen für ihren bekannten Tanz "Cullahuada" diese prächtige Kleidung.

Manchmal schmücken sich die Frauen der Provinz Carabaya (bei Puno) mit getrockneten Hochland-Blumen.

Carabaya
Huancayo Huancayo

In der Region Huancayo schücken die Frauen ihre Alltagskleidung bei Festen mit einem weißen, kunstvoll überarbeiteten Überrock.

Diese Puppe trägt die Alltagskleidung eine Campesina (Hirten- oder Bauersfrau) aus dem Department Ancash.

Ancash
Chivay Chivay

Die aufwendig betickte Kleidung der Frauen aus Chivay (Dorf bei Arequipa) ist eine der auffälligsten und bekanntesten im Süden von Peru.

Früher entstanden auch viele verschiedene, stark übertriebene Tanzkleidungen, oft mit blassen Masken, überlangen Nasen, falschen Haaren und Bärten als Protest des Volkes gegen die spanischen Konquistadoren. Damit wurden die Spanier regelrecht lächerlich gemacht. Die hier gezeigte ("Chuchulaya") ist noch verhältnismäßig zurückhaltend.

Chuchulaya

Das ganze Thema der Kleidungen, Tänze und Feste ist sehr interessant, aber umfangreich und kann hier natürlich nicht umfassend erläutert werden. Es wäre wichtig und gut, wenn eine Institution die Puppenhersteller/-innen unterstützen würde. Das könnte zahlreichen Eltern Arbeit geben. Auf diese Weise würde den Kindern eine bessere Ernährung und Ausbildung ermöglicht.